portrait

Reisen in der Kindheit zwischen den beiden Kulturlandschaften lehrten mich ein breit gefächertes Verständnis für Kunst und Kultur. Während verschiedener Auslandsaufenthalte prägten mich unterschiedliche kulturelle Einflüsse. Seitdem interessiert mich der Umgang mit Kultur und differierenden Wertesystemen. Und oft denke ich, dass sich die ganze Debatte darüber zu einer eigenen Kunstform entwickelt hat.

Seit 1992 lebe und arbeite ich in Hannover. Neben Kunst und Projektarbeit folgt meine andere Leidenschaft der facettenreichen Arbeitswelt des Flughafens. Meine Begeisterung für den gesamten operativen Ablauf eines Passagierflugs von Ankunft bis Abflug wuchs bei diversen Trainings in unterschiedlichen Bereichen und Einsätzen an Flughäfen in ganz Deutschland. In den Tätigkeitsbereichen Stationsarbeit bei Airlines und Ground Operation Services habe ich langjährige und internationale Erfahrungen gemacht. Inhaltlich und gestalterisch fehlte mir die Kunst eigentlich in vielen Flughäfen, obwohl dort mittlerweile alles erdenkliche zu erwerben ist. Wie erlebt der Mensch die Kunst in einen zeitlich begrenzten Aufenthaltsort und wie kann Kunst in einer Räumlichkeit leben, in der die Sicht zum Vorfeld gerichtet ist? Aus diesen Fragen und aus der Überzeugung heraus, dass sich Kunst und Wirtschaft in einer Verbindung gegenseitig stärken, entstand eine langjährige Ausstellung in experimentellen Charakter in der Flughafen Lounge.

Wenn mir die Arbeitswelt, die Malerei und das Kuratieren von diversen Ausstellungen Zeit übrig lies, habe ich einige interessante ehrenamtliche Projekte unterstützt. Mit dem Vorsitz bei dem gemeinnützigen Kunstprojekt „Streets of Arts e.V.-Wege zur Kunst“ kam 2008 für die Arbeit zum Thema Kunst und Integration der erste Integrationspreis in Niedersachsen. Eine kurze Zeit befasste ich mich intensiv mit Themen wie Diversität, Migration und interkulturelle Kommunikation auf politischer Ebene. Einmal mehr den Blickwinkel gewechselt, interessierte mich aber nur Kulturpolitik. Ausgestattet mit zahlreichen Kulturbegriffen widmete ich mich aktiv einige Jahre dem Thema und war als stellvertretende Vorsitzende bis 2017 beim Kulturforum der Sozialdemokratie in der Region Hannover e.V. tätig.

2018 möchte ich meinem Schaffen mehr Raum geben und an meiner Neuen Bilder Serie „hybrid society“ arbeiten. Der internationale Wandel in der Gesellschaft und deren Auswirkung sind zurzeit Ansätze mit denen ich mich beschäftige. Ein anderer wichtiger Part auf meiner Palette spielt die Farbe Blau in allen Nuancen – sie findet sich häufig in meinen Werken. Meine Wasserbilder, meist aus der Vogelperspektive, spiegeln die Transparenz, die Aufnahme von Farbe wider. Dynamische Spannungsfelder in meinen Bildern sieht man zwischen Kräftig auf gespachtelten Farben, die eine räumliche Struktur schaffen und fein ausgearbeiteten ornamentalen Figuren. Vor allem mit gegensätzlichen Techniken und Kompositionen zu arbeiten, weckt mein Interesse, auch weil der gesamte Prozess einen Widerstand hervorruft.

Wenn ich Musik höre, so folge ich bedacht den Kompositionen. Jazz, Blues, Rock und Klassik, alles Musikrichtungen mit unterschiedlichen Impulsen. Im Umgang mit der Inspirationsquelle konzentriere ich mich darauf, Hörbares in Sichtbares umzuwandeln, nicht als farbliche Übersetzung einzelner Noten, sondern die Visualisierung des Musikstücks im Ganzen als eine Farbkomposition darzustellen.

Meine Kunst hat viele Einflüsse und wie auch im Leben kreieren individuelle Segmente die Gewichtung einzelner Farben und Vorgänge.

Tülin Colakgil © 2018